Itzehoer Aktien Club

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Fakten zum Bitcoin-Boom 28.12.2017

bitcoin chartDer aktuelle Hype um Bitcoin nimmt groteske Züge an. Mittlerweile erreicht er über die Berichterstattung in öffentlichen Medien breite Anlegerschichten. Anleger, denen Aktien bisher als Anlage zu riskant erschienen, liebäugeln mit einer Anlage in Bitcoin. Im Folgenden finden Sie einige Fakten und Hintergrund-Informationen rund um das Thema Bitcoin.

Achtung: Wir raten dringend davon ab, sich an der Spekulation um Bitcoin & Co. zu beteiligen. Lesen Sie dazu auch unseren Monats-Kommentar „Bitcoin-Blase“.

 

Woher kommt der Bitcoin ?

Der Erfinder des Bitcoins ist bis heute nicht bekannt. Offenbar wollte er anonym bleiben und trat darum im Jahr 2008 bei der Vorstellung seiner Idee einer neuartigen digitalen Währung (Kryptowährung) unter dem Synonym „Satoshi Nakamoto“ auf.

Ein Geniestreich war vor allem sein Konzept eines dezentralen elektronischen Kassenbuchs, der Blockchain, in der alle Transaktionen in Blöcken auf vielen Rechnern abgespeichert werden, was das System fälschungssicher macht.

Im Januar 2009 erzeugten der oder die Macher auf der Basis ihres Konzepts den ersten "Genesis"-Block der neuen Währung - und die ersten 50 Bitcoins. Sie hinterlegten darin, wie in der physischen Welt bei einer Grundsteinlegung üblich, eine Zeitungsschlagzeile der Londoner "Times" vom 3. Januar. Es ging um den zweiten britischen Bankenrettungsplan nach der Finanzkrise.

Welche Idee steckt hinter dem Bitcoin?

Die Botschaft war klar: Hier ist ein System, das keiner fehlbaren Institutionen wie Banken, Notenbanken oder Investmenthäusern mehr bedarf. Mitten hinein in eine der tiefsten Vertrauenskrisen des bisherigen Finanzsystems starteten „Satoshi Nakamoto“ und Co. ihren Gegenentwurf. Das Vertrauensproblem sei beim Bitcoin technologisch gelöst, heißt es im Gründungspapier, Kryptografie mache Institutionen im Geldverkehr überflüssig. Der Bitcoin sei schneller, effizienter, sicherer - so jedenfalls die ursprüngliche These.

Wie entstehen Bitcoin?

miningBitcoin entstehen durch das Lösen komplexer Rechenaufgaben, im Fachjargon „mining“ genannt, in Anlehnung an das „Schürfen“ bei Gold. Nur, dass es sich bei Bitcoin eben nicht um Schürfen im physischen Sinne, sondern im digitalen Sinne handelt. Da das Lösen der dazu notwendigen Rechenaufgaben systembedingt immer komplizierter wird, steigt die zur Erzeugung von Bitcoins notwendige Rechenleistung und Energiemenge stetig an.

Sind Bitcoin unbegrenzt ?

Nein. Systembedingt ist die maximale Anzahl errechenbarer Bitcoin auf 21 Millionen Stück begrenzt. Diese strikte Deckelung soll den Wert des Bitcoins stabil halten und verhindern, dass wie bei den klassischen Währungen Euro, US-Dollar oder Yen die Notenbanken die Geldmenge stetig vergrößern und so den Wert des bestehenden Geldes inflationieren. Die Deckelung bei Bitcoins hat allerdings einen Haken: In einer wachsenden Wirtschaft führt eine starre bzw. gedeckelte Geldmenge systembedingt zu sinkenden Preisen (Deflation). Hinzu kommt: Zwar ist die Menge an Bitcoin begrenzt, es lassen sich aber von jedermann beliebig neue Kryptowährungen auflegen und unters Volk bringen. Aufgrund des aktuellen Hypes um Kryptowährungen und weil sich damit aktuell sehr gutes Geld verdienen lässt, wachsen alternative Kryptowährungen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Mittlerweile gibt es neben dem Bitcoin über 1.300 weitere Kryptowährungen - und täglich kommen neue dazu.

Wieviel Bitcoin gibt es aktuell?

Aktuell sind bereits knapp 17 Millionen der 21 maximal möglichen Millionen Bitcoins "geschürft" bzw. berechnet. Allerdings gelten bereits bis zu 4 Mio. Bitcoins als unwiederbringlich verloren gegangen. Dies geschieht beispielsweise, wenn die Hardware auf dem die Bitcoins gespeichert sind (PC-Festplatte, Smartphone), verloren geht oder vernichtet wird. Da der Bitcoin in seinen Anfangsjahren noch nahezu wertlos war, haben damals offenbar viele Bitcoin-Inhaber keinen so großen Wert darauf gelegt und ihre Bitcoin kurzerhand zusammen mit dem alten Smartphone auf dem Müll entsorgt.

Was ist ein Bitcoin wert?

Mit einem realen Gegenwert sind Bitcoins nicht unterlegt, daher lässt sich ein Wert nicht ermitteln. Anders als bei Aktien gibt es keine Maschinen oder Patente, an denen Anleger einen Besitzanteil erwerben. Anders als bei Anleihen kein Zahlungsversprechen des Schuldners. Es gibt keinen Rohstoff, mit dem sich etwas produzieren ließe, und keine Immobilien, die Mieteinnahmen versprechen. Der Kurs des Bitcoins wird allein davon getrieben, dass immer mehr Spekulanten auf den Zug aufspringen und Bitcoins nachfragen.

Wie hat sich der Bitcoin-Kurs bisher entwickelt?

2009 hatte der Bitcoin noch keinen Wert, der in anderen Währungen beziffert werden konnte. Diesen bekam die Kryptowährung erst ein Jahr später in Bitcointalk-Foren zugewiesen. Im Herbst 2010 waren es noch rund 0,08 Dollar. Anfang 2017 stand der Bitcoin bei rund 1.000 USD und hat sich bis Dezember 2017 auf in der Spitze über 20.000 US-Dollar allein in diesem Jahr rund verzwanzigfacht:

bitcoin


Warum kam es gerade in den letzten Wochen zu einem wahren Hype?

In den Anfangsjahren galt die Kryptowährung als exotisches Spielzeug für Nerds. Durch den steigenden Kurs wurden immer breitere Anlegerschichten auf den Bitcoin aufmerksam, zuletzt auch professionelle Investoren wie bspw. Hedgefonds. Aufgrund der steigenden Nachfrage haben im Dezember erstmals auch regulierte Börsen, konkret die CBOE und CME als größte Terminbörse der Welt, den Handel mit Bitcoin-Kontrakten aufgenommen. Das ermöglicht die Investition in Bitcoin nun auch Großanlegern wie Fonds oder Pensionskassen. Die so entstandene zusätzliche Nachfrage und die damit verbundene Phantasie, wer nun zukünftig noch alles in Bitcoin investieren könnte, dürfte für den jüngsten Hype verantwortlich gewesen sein. Allerdings sind durch die Aufnahme in den Terminhandel jetzt auch erstmals Wetten auf fallende Kurse des Bitcoin möglich. Prompt erlitt die Kryptowährung in der Woche nach der Börseneinführung ihren größten Einbruch seit rund 3 Jahren.

Wie hoch ist der Gesamtwert aller Bitcoin?

Ausgehend vom aktuellen Bitcoin-Kurs von rund 15.000 USD (Stand 28.12.2017) und rund 13 Millionen umlaufenden Bitcoin (17 Mio. geschürfte abzüglich 4 Mio. verlorene Bitcoin) liegt der Gesamtwert aller Bitcoin aktuell bei rund 220 Mrd. USD. Hört sich viel an, ist aber in der Finanzwelt eine eher kleine Zahl. Zum Vergleich: Allein der Börsenwert unseres Qualitätsunternehmens Apple ist mehr als dreimal so groß wie der Wert aller Bitcoins.

Was spricht gegen den Bitcoin?

bitcoin vorsichtI.) Der Bitcoin ist keine Währung

Zwar wird der Bitcoin als „Kryptowährung“ bezeichnet, Fakt ist aber: der Bitcoin ist keine Währung – jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Und das aus fünf Gründen:

 1. Der Bitcoin ist weder gesetzliches noch allgemein anerkanntes Zahlungsmittel:

Haben Sie mal versucht, Ihre Steuern in Bitcoin zu bezahlen? Spätestens dann werden Sie merken, was der Unterschied zwischen einem gesetzlichen Zahlungsmittel und einer Kryptowährung ist. Niemand - nicht nur der Staat - ist verpflichtet, Bitcoin oder andere Kryptowährungen als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Der Wert des Bitcoins im Sinne seiner Kaufkraft hängt also vollständig vom Wohlwollen der Zahlungsempfänger ab bzw. davon, ob diese bereit sind, Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Zwar hat sich in den letzten Jahren die Anzahl an Firmen, die bereit sind, Bitcoins zu akzeptieren von sehr niedriger Basis aus ständig gesteigert. In den letzten Wochen jedoch ist der Trend eher wieder rückläufig, denn…

2. Der Bitcoin ist nicht preisstabil:

Eine Währung muss preisstabil sein, um ihren Nutzern die für ihre geschäftlichen Aktivitäten notwendige Planbarkeit zu verschaffen. Dies ist bei Preisschwankungen von 1.000% innerhalb eines Jahres oder 50% in einer Woche nicht gegeben. Unternehmen und Ladengeschäfte kommen bei derartigen Schwankungen nicht mit der Anpassung ihrer Preise hinterher. Zudem ist es auch für den Konsumenten vollkommen unpraktikabel, wenn Kaffee, Tankfüllung, Einkäufe oder gar der Urlaub jeden Tag etwas anderes kosten. Und stellen Sie sich einmal vor, Sie würden Ihr Gehalt in Bitcoin erhalten: Solange der Kurs so zulegt, wie in den letzten Monaten, schön und gut, aber was, wenn er wie in der letzten Woche um 30% sinkt? Wovon soll dann die Miete oder die Leasingrate bezahlt werden?

3. Der Bitcoin ist nicht wertstabil

Dem Bitcoin liegt anders als bei Aktien, Anleihen oder Immobilien kein Gegenwert zugrunde. Währungen wie Dollar, Yen oder Euro sind genau genommen zwar auch nur ein Stück Papier, jedoch steht ihnen durch ihre staatliche Legitimation ein durch die nationale Wirtschaftskraft und die daraus resultierenden Steuereinnahmen gedecktes Staats-Versprechen gegenüber. Für den Bitcoin hingegen garantiert nichts und niemand. Er kann daher jederzeit auf den Wert zurückfallen, den Menschen einer digitalen, kryptischen Zeichenreihenfolge bei gesundem Verstand beimessen würden und auch noch vor wenigen Jahren begemessen haben: Null.

4. Der Bitcoin hat keinen Zins

bitcoin zinsenSeit die Phönizer vor rund 3.000 Jahren das Geld erfunden haben, gibt es den Zins. Und das aus gutem Grund: Der Zins belohnt denjenigen, der Ersparnis bildet und dafür temporär auf Konsum verzichtet. Wer hingegen konsumiert oder investiert, bevor er sich selbst das notwendige Geld zusammengespart hat, muss sich die Ersparnisse eines anderen leihen und zahlt diesem für dessen temporären Konsumverzicht eine Entschädigung, den Zins. In hochentwickelten, komplexen Wirtschaftssystem wie unseren heutigen Volkswirtschaften hat der Zins eine wichtige Steuerungsfunktion - nicht nur für die Individuen, die in Abhängigkeit des Zinses mehr oder weniger sparen oder investieren, sondern auch für das Gesamtsystem. Notenbanken nutzen beispielsweise den Leitzins im Rahmen ihrer Zinspolitik, um Konjunktureinbrüche abzufedern oder Überhitzungen vorzubeugen. Der Bitcoin hingegen hat systembedingt keinen Zins. Ihm fehlt es daher an der seit Erfindung des Geldes vor fast 3.000 Jahren notwendigen Steuerungsfunktion.

II.) Der Bitcoin ist als Zahlungsmittel nicht (mehr) effizient

Der Bitcoin sollte neben seiner Unabhängigkeit von Institutionen ein schnelles, kostengünstiges und sicheres Zahlungsmittel sein. Doch noch bevor er als Zahlungsmittel überhaupt auch nur eine erwähnenswerte Verbreitung erreicht hat, stößt das System bereits an seine Grenzen. Das liegt daran, dass die zur Erzeugung neuer Bitcoins und zur Abwicklung der Transaktionen notwendige Rechenleistung exponentiell ansteigt – und damit auch der Energieverbauch. Drei Gründe für die mangelnde Effizienz des Bitcoin:

1. Irrwitziger Energieverbrauch

Bereits für eine einzige Bitcoin-Transaktion - von der täglich rund 300.000 stattfinden - sind nach Berechnungen des Digiconomist-Experten Alex de Vries 225 Kilowattstunden Strom nötig. Damit lässt sich ein Kühlschrank zwei Jahre lang betreiben. Der aus dieser einen Bitcoin-Überweisung resultierende CO2-Ausstoß entspricht damit in etwa einer 200-Kilometer-Fahrt mit einem Hummer-Geländewagen.

bitcoin umweltWürde man das Bitcoin-System in Summe als Staat betrachten, läge es beim internationalen Energiebedarf bereits auf Platz 61, hat kürzlich das britische Strompreis-Vergleichsportal „Power Compare“ ausgerechnet.  Mit fast 37 Terawatt ist der Energiebedarf der dezentralen Währung bereits höher als der von Ländern wie der Slowakei, Ungarn und Dänemark. Das ist natürlich nicht ganz optimal und macht Bitcoin zum Klimakiller Nummer eins unter den Zahlungssystemen.

Stiege der Verbrauch weiter wie bisher, könnte im nächsten Oktober bereits das Niveau der Elektrizitätsproduktion des Industrielands Großbritannien und im Laufe des Jahres 2019 sogar das der USA erreicht werden – eine aberwitzige Vorstellung, die verdeutlicht, dass eine lineare Fortsetzung des Bitcoin-Booms allein aus energietechnischen Gründen nicht mehr lange möglich ist.

2. Systemüberlastung : Transaktionen langsam und teuer

Zugleich ist das Bitcoin-System inzwischen völlig überlastet. Denn es erlaubt nur bis zu sieben Transaktionen pro Sekunde. Damit ist Bitcoin den herkömmlichen Bezahlsystemen deutlich unterlegen. Die Kreditkartengesellschaft Visa etwa hat nach eigener Aussage eine Kapazität von rund 50.000 Transaktionen pro Sekunde.

3. Mangelnde Sicherheit

bitcoin mt goxAllein seit der Erfindung des Bitcoins im Jahr 2009 haben Hacker rund ein Drittel aller Bitcoin-Börsen schon einmal erfolgreich attackiert. Das bekannteste Beispiel  stammt aus dem Jahr 2014: Damals ging mit "Mt. Gox" die bis dahin größte Bitcoin-Börse der Welt mit Sitz in Tokio unter. Über sie wurden zeitweise 70 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels abgewickelt. Von rund 640.000 Bitcoins fehlt seitdem jede Spur – zum Schaden der Anleger. Die verloren gemessen am aktuellen Bitcoin-Kurs rund 10 Milliarden USD, was den Hacker-Angriff auf Mt. Gox zum mit Abstand größten „Bankraub“ aller Zeiten macht.

Doch auch danach kam es regelmäßig zu weiteren Hacker-Angriffen bei denen Bitcoin-Spekulanten um ihr Vermögen gebracht werden. Erst wenige Tage vor Weihnachten titelten unter anderem Spiegel und Handelsblatt:

bitcoin korea

Ist der Bitcoin die größte Spekulationsblase aller Zeiten?

Der exorbitante Kursanstieg des Bitcoin hat mittlerweile selbst die Kursblase der Tulpen-Manie im Holland des 17. Jahrhunderts übertroffen, so das Ergebnis einer Studie. Demnach ist der aktuelle Bitcoin-Hype die größte dokumentierte Blase aller Zeiten. Allerdings erst dann, wenn die Blase auch wirklich geplatzt ist. Schließlich bringt erst das Platzen einer Blase letztlich die Gewissheit darüber, dass es sich tatsächlich um eine Blase gehandelt hat. In diesem Fall spricht allerdings alles dafür, dass das bei Bitcoin & Co. nur eine Frage der Zeit ist.

bitcoin blase

 

Wichtig dabei: Blasen schaffen kein nachhaltiges Vermögen, sie vernichten aber auch keines. Blasen sind lediglich eine gigantische Umverteilungsmaschine - mit freiwilliger Teilnahme. Was die Einen verlieren, gewinnen die Anderen. Beim Crash des neuen Marktes verloren viele Anleger 90% und mehr ihres Geldes, allerdings waren die Kurse zuvor auch um den Faktor 10 gestiegen und haben einige Menschen reich gemacht. Reich wurden allerdings nur die Wenigen, die von Anfang an dabei waren und ihre Anteile dann zu Höchstkursen an die Herde der Späteinsteiger verkauft haben. Das Geld der Millionen Kleinanleger war also durch das Platzen der Blase nicht weg, es hatte nur jemand anderes – wie beispielsweise die Gebrüder Haffa (Em.TV) und Co.

bitcoin heute journalWer nun überlegt, ob er im Rahmen der aktuellen Bitcoin-Blase eher zu den Früheinsteigern oder aber zu den Späteinsteigern und damit zu den Dummen zählt, die den Früheinsteigern ihre Gewinne finanzieren, sollte sich umschauen: In Zeiten, in denen fast alle Medien über den Bitcoin berichten und selbst das gute alte "Heute Journal" den Bitcoin zum Hauptthema macht, spricht nicht viel dafür, dass man zu den Frühinvestoren des Krypto-Booms zählt.

Zu denen gehören neben den Bitcoin-Anlegern der ersten Stunde eher diejenigen, die die Gunst der Stunde genutzt und in den letzten Jahren eigene Kryptowährungen aus dem Boden gestampft und an die Anleger verkauft haben – ähnlich wie seinerzeit am Neuen Markt die Firmeninhaber, die ihre Unternehmen an die Börse gebracht und so an die zahllosen Kleinanleger verkauft haben.

Aufmerksam werden sollte man daher angesichts einer Nachricht vom 20.12.2017: Demnach hat der Erfinder der fünftgrößten Kryptowährung Litecoin, Charlie Lee, kurz vor Weihnachten alle seine Anteile an der eigenen Kryptowährung verkauft. Damit dürfte er zum Multimillionär geworden sein, in harten US-Dollar versteht sich. Die zahlreichen Späteinsteiger, die ihm ihre Dollar überwiesen haben, sitzen jetzt hingegen auf Litecoin und müssen hoffen, einen noch Dümmeren zu finden, der ihnen dafür wieder harte Dollar oder Euro bezahlt.

Was raten Experten und Anlegerschützer?

ezb bitcoinEine Art Tulpe“ nannte EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio den Bitcoin in Anspielung auf die Tulpenpreisspekulation des 17. Jahrhunderts. „Es scheint ganz so, als habe die Menschheit nichts dazugelernt, seit vor knapp 300 Jahren in Amsterdam der Run auf Blumenzwiebeln begann. Damals waren Tulpen das Objekt der Begierde. Heute ist es eine virtuelle Währung, deren Funktionsmechanismen nur ein Bruchteil der in Bitcoin investierten Spekulanten wirklich durchdrungen haben dürfte.

Der französische Notenbankchef Villeroy de Galhau sieht den Bitcoin als „spekulatives Geldanlageobjekt, dessen Wert extrem schwankt und keine ökonomische Basis hat“.

In den USA warnte der für Bankenregulierung zuständige Vizechef der US-Notenbank Federal Reserve, Randal Quarles, vor den Gefahren von Kryptowährungen.

Jamie Dimon, Chef der US-Investmentbank JPMorgan:
"Der Hype um den Bitcoin wird mit einem Crash enden. Beim Bitcoin handelt es sich um Betrug – sollte einer meiner Mitarbeiter damit handeln, würde ich ihn sofort feuern."

"Der Erwerb von Coins im Rahmen sogenannter ICOs birgt für Anleger erhebliche Risiken", heißt es ungewohnt interpretationsfrei in einer aktuellen Mitteilung der Finanzaufsichtsbehörde BaFin. Wer sich darauf einlasse, müsse mit Totalverlusten rechnen. Damit nicht genug: "Wie bei den meisten aktuellen Trends zieht das hohe öffentliche Interesse an ICOs auch Betrüger an", schreiben die Aufseher.

bundesbankDie Deutsche Bundesbank sieht Digitalwährungen wie Bitcoin nicht als Ersatz für Euro, US-Dollar und andere Währungen. "Bitcoin ist kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt", schreibt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in einem Gastbeitrag für den "Ifo-Schnelldienst". Virtuelle Währungen könne man in der Realwirtschaft nicht verwenden, sondern nur tauschen: "Sie sind frei erfunden und vermehren sich nach einem festgesetzten Schema in virtuellen Systemen, die faktisch nach dem Belieben einer kleinen Gruppe geändert werden können." Mangels Wertbasis sei der Preis für Bitcoin praktisch beliebig, "bis hin zum Totalverlust", warnt Thiele.

Matthias Kröner, Chef der Fidor-Bank, hält ein Investment in Kryptowährungen für ähnlich verlässlich wie "Pferdewetten" – obwohl sein Haus Bitcoin-Handel anbietet. "Da die werttreibenden Ereignisse in der Regel nicht vorhersehbar sind und auch keinen modellhaften Charakter haben, entspricht all das gegenwärtig mehr einer Wette als einer fundamental begründeten Entwicklung."

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden:
"Für die Deutsche Bank sind Kryptowährungen derzeit kein Anlagethema. Solange der Markt nicht – wie auch von der Europäischen Zentralbank gefordert – reguliert ist, raten wir von einem Engagement dringend ab. Zumal der Bitcoin in den vergangenen sechs Monaten deutlich stärker schwankte als exotische Währungen wie der Ariary aus Madagaskar oder der Pula aus Botswana."

Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz:
"Ich weiß nicht, wer jetzt noch in Bitcoin investiert, aber ich tippe auf Weltuntergangspropheten, Spekulanten, Drogendealer und Anarchisten."

bitcoin shillerRobert Shiller, Ökonom und Nobelpreisträger:
"Das beste Beispiel für eine Blase ist zurzeit Bitcoin. Viele Leute machen sich angesichts der Digitalisierung auf vielen Gebieten grundsätzlich Sorgen, wo in der Welt ihr Platz in ein paar Jahren sein wird. Da passt Bitcoin irgendwie gut rein."

Jordan Belfort, Ex-Börsenmakler und bekannt als "Wolf of Wall Street":
"Börsengänge in Kryptowährungen sind der größte Betrug aller Zeiten. Das Vorgehen der Verkäufer erinnert mich an die Taktiken, mit denen meine eigene Firma groß geworden ist – und die mich letztlich für 22 Monate ins Gefängnis brachten."