Itzehoer Aktien Club

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ETF 28.04.2016

hIn der Fondsbranche stößt man seit geraumer Zeit immer häufiger auf drei Buchstaben: ETF. Die Abkürzung steht für „Exchange Traded Funds“, zu Deutsch „Börsengehandelte Index-Fonds“. Das Revolutionäre daran: Neben einer passiven Index-Abbildung - und damit dem Verzicht auf einen Fondsmanager - sowie vollkommener Transparenz zeichnen sich ETF durch geringe Kosten aus. Doch wie revolutionär sind diese Eigenschaften wirklich und wo liegen die Nachteile solcher Index-Fonds?

Passiv investieren: keine ganz neue Idee

Ganz neu ist die Idee des passiven Investierens nicht. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurde der erste Indexfonds in Amerika aufgelegt. In Europa werden ETF seit dem Jahr 2000 gehandelt – und damit ebenfalls schon seit 16 Jahren. Doch erst in den letzten fünf Jahren kamen diese Fonds richtig in Mode. Mittlerweile müssen ETF-Anleger sich allein hierzulande durch einen Dschungel von über 1.000 ETF kämpfen. Ein Grund, diese Mühe auf sich zu nehmen liegt in der nicht ganz neuen Erkenntnis, dass es ein Großteil der aktiven Fondsmanager langfristig nicht schafft, den eigenen Vergleichs-Index zu schlagen. Warum also dann nicht gleich ganz auf den Fondsmanager verzichten und einen Index-Fonds bzw. ETF kaufen ? Dessen Ziel ist es schlicht, den Index nachzubilden, nicht aber, ihn zu schlagen. Schöner Neben-Effekt: Man spart sich den Fondsmanager und damit auch dessen Kosten.

 

Kein Ausgabeaufschlag - dafür andere Kosten

Da ETF über die Börse gekauft werden, entfällt zudem der einmalige Ausgabeaufschlag beim Fondskauf. Dabei übersehen Anleger allerdings häufig, dass stattdessen Provisionen für die Bank, Börsenspesen und vor allem die sogenannte Geld-/Brief-Spanne anfällt. Die bezeichnet den unterschiedlichen Börsenpreis für An- und Verkauforder an der Börse und kann gerade bei unlimitierter Order schnell ins Geld gehen - wird dem ETF-Käufer aber nicht als Kosten ausgewiesen. Am Ende wird der ETF-Kauf so mitunter sogar teurer als ein Fondskauf mit regulärem Ausgabeaufschlag – und man hat es nicht einmal gemerkt.

 

Vorsicht: Liquiditäts-Falle !

Eine weitere Falle beim ETF-Kauf: Anders als beim Fondskauf über die Fondsgesellschaft, die täglich einen fairen Preis - den sogenannten Netto-Inventar-Wert (NAV) - ermittelt und beim Kauf und Verkauf abrechnet, entsteht der Kurs beim börsengehandelten ETF über Angebot und Nachfrage. Hier kann es je nach Markt- und Liquiditätslage zu Abweichungen vom fairen Fondspreis kommen. Diese Abweichungen können extrem werden, wenn es an der Börse stürmisch zugeht, wie beispielsweise beim Flash-Crash am 06. Mai 2010. Während der US-Blue-Chip-Index S&P 500 an diesem Tag um rund 5 % in die Knie ging, verlor ein ETF auf den S&P 500 des Anbieters Rydex an diesem Tag zwischenzeitlich über 90 % an Wert. Grund war schlicht die mangelnde Liquidität, als es an der Börse drunter und drüber ging. Anleger, die diesen ETF besaßen und unlimitiert verkauft haben oder auch nur eine Stop-Loss-Order zur Absicherung aktiv hatten, wurden so in Minuten einen Großteil ihres Vermögens los. Ein Risiko beim ETF-Kauf, dass man nicht aus den Augen verlieren sollte.

 

Geringe TER - aber hohe Zyklik

Unzweifelhafter Vorteil von ETF sind die geringen laufenden Kosten (TER), die dadurch möglich werden, dass es keinen Fondsmanager gibt, der für seine Dienste entlohnt werden müsste. Doch auch wenn viele Fondsmanager langfristig ihrem Index hinterherhinken: So ganz wertlos ist die Arbeit der aktiven Fondslenker dann doch nicht, wie folgendes Beispiel eines aktiv gemanagten Europa-Fonds im Vergleich mit einem passiven Euro-Stoxx-50-ETF zeigt.

Während der aktive Fondsmanager versucht, nur die aussichtsreichsten Aktien in seinem Fonds aufzunehmen, bildet der ETF alle 50 Aktien des Euro-Stoxx 50 exakt in der Gewichtung ihrer Marktkapitalisierung ab. Steigt nun eine der Aktien um 100 % und verteuert sich damit, kann der aktive Fondsmanager die Gunst der Stunde nutzen und hier Gewinne mitnehmen. Möglicherweise hat sich im gleichen Zeitraum eine andere Aktie halbiert und der Fondsmanager kann aus der teuren in die günstige Aktie umschichten. Beim passiven ETF hingegen passiert Folgendes: Da eine Aktie nach ihrer Kursverdoppelung auch ein entsprechend doppelt so hohes Gewicht im Index hat, wird dieser nun teure Titel im Index - und damit automatisch auch im ETF- doppelt so hoch gewichtet wie zuvor. Die Aktie hingegen, die sich halbiert hat, verliert im Index - und damit auch im ETF – deutlich an Gewicht. Das passive Abbilden eines marktkapitalisierungsgewichteten Index bringt daher eine Art „teuer-zukaufen-und-billig-verkaufen“-Systematik mit sich – nicht gerade das, was man intuitiv als Erfolgsformel bezeichnen würde.

 

ETF-Erfolgsbilanz 2015

In einer aktuellen Analyse über das Abschneiden passiver Index-Fonds (ETF) gegenüber aktiven Fonds im Bereich europäischer Blue-Chip-Aktien kommt die Fondsrating-Agentur Morningstar dann auch zu dem Ergebnis, dass 68,8 % aller aktiven Fonds ihre passiven ETF-Pendants im Jahr 2015 geschlagen haben. Doch Vorsicht: Dabei handelt es sich nur um eine Momentaufnahme. Auch aktive Fondsmanager sind keine Hellseher und nicht jedem gelingt regelmäßig ein optimales Timing. Oft heißt es gar: Hin und her macht Taschen leer.

Im IAC investieren war daher seit unserer Gründung in 1998 - und damit noch vor Aufkommen der ETF in Europa - tendenziell passiv. Viele unserer Qualitätsaktien haben wir bereits seit Gründung im Depot. Allerdings achten wir anders als ein ETF sehr wohl darauf, dass Aktien, die sich stark verteuert haben entsprechend reduziert werden, damit diese Titel nicht auch noch automatisch an Gewicht im Depot zunehmen. Andersherum kaufen wir bei unseren Qualitätsaktien nach, wenn diese sich vergünstigen, um vom meist folgenden Kursaufschwung mit einer höheren Gewichtung zu profitieren.

 

Echter Vorteil: Transparenz

Einen echten Vorteil gegenüber aktiven Fonds bieten ETF beim Thema Transparenz. Da kaum ein Fondsmanager zeitnah mit der Information herausrückt, welche Aktien er gerade kauft oder verkauft und welche Papiere genau in welcher Gewichtung er im Fonds hält, kaufen Anleger bei aktiven Fonds quasi die Katze im Sack. Beim ETF hingegen reicht der Blick auf den entsprechenden Index, um zu wissen, worin man aktuell investiert ist. Ganz so revolutionär ist aber auch das nicht: So weisen wir im IAC alle unsere Transaktionen und Bestände an Qualitätsaktien seit je her vollkommen transparent aus ( zum Real-Time-Depot).

 

Fazit:

ETF sind in den letzten Jahren zunehmend in Mode gekommen. Doch wie so oft gilt auch hier: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Günstigen Kosten steht eine zyklische, weil marktkapitalisierungsgewichtete Anlagestrategie gegenüber. Bei der Auswahl unter den mehr als 1.000 ETF ist zudem ebenso Aufmerksamkeit und Know-How geboten, wie beim Ordern über die Börse. Klaren Vorteilen stehen ebenso klare Nachteile gegenüber, die von vielen Anlegern bisher übersehen werden. Das Thema ist komplex. Im IAC-Team haben wir uns daher in den vergangen Monaten mit einigen Kollegen intensiv mit ETF beschäftigt und Anfang April in Frankfurt erfolgreich die Prüfung zu „Zertifizierten ETF-Experten“ der Deutschen Börse abgelegt. Falls Sie also weitere Fragen zu diesem umfangreichen und daher an dieser Stelle nicht abschließend zu behandelnden Thema haben, zögern Sie nicht, uns anzusprechen.

 

etf zerti

IHK in Frankfurt, Anfang April:

Aus dem gesamten Bundesgebiet stellten sich insgesamt sieben Teilnehmer der Prüfung zum zertifizierten ETF-Experten der Deutschen Börse.


Mit besten Grüßen

Ihr



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