Itzehoer Aktien Club

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Corona-Crash: Jetzt einsteigen? 29.04.2020

boerase abwaerts

Nach dem Corona-Crash lautet die häufigste Frage von Anlegern an uns im IAC derzeit: „Soll ich jetzt günstig einsteigen?“. Das wollte auch Christian P. aus Kiel vor wenigen Tagen am Telefon wissen. Die Antwort fiel mir aufgrund der aktuellen Börsenlage ungewöhnlich leicht. Sie lautete: „Auf keinen Fall !“. Am gleichen Tag, nur wenige Stunden zuvor, hatte sich Karl-Heinz M. aus Hamburg mit derselben Frage gemeldet. Auch da lag die Antwort aufgrund der aktuellen Börsenlage auf der Hand. Sie lautete: „Unbedingt !“. Zwei Anleger. Ein und dieselbe Frage zum Börseneinstieg. Und zwei völlig verschiedene Antworten. Wie kann das sein?

Nun, Christian P. aus Kiel, Mitte 30, erzählte im Gespräch, dass er frisch vermählt sei und die weitere Familienplanung im Blick hätte. Seine zusammengesparten 50.000 Euro sollten für einen im kommenden Jahr anstehenden Immobilienkauf als Eigenkapital dienen. Ein so kurzer Anlagehorizont ist für die Geldanlage in Aktien jedoch per se ungeeignet. Wer weiß schon, wo die Kurse in einem Jahr stehen? Allemal Mitten in der vermeintlich größten Gesundheitskrise seit über 100 Jahren? Was, wenn die Corona-Krise erst am Anfang steht und die Kurse in den kommenden Monaten nochmal um 20 oder 30% einbrechen? Und wenn ausgerechnet dann das Geld für den Kauf des sehnlichst erträumten Eigenheims benötigt wird? Die Investition seiner 50.000 Euro in Aktien wäre für Christian P. folglich hoch spekulativ, weshalb ich ihm nur dringend davon abraten konnte.

Chance für Langfristanleger

Für Karl-Heinz M. aus Hamburg hingegen war die Situation eine andere: Als frisch gebackener Ruheständler hatte er gerade eine Lebensversicherung in Höhe von fast 300.000 Euro ausgezahlt bekommen. Geld, dass er aufgrund seiner üppigen Pension und seines bereits abbezahlten Hauses auf absehbare Zeit nicht benötigt, das aber dennoch rentabel für ihn arbeiten soll. Für ihn stellen die stark gefallenen Kurse an der Börse daher eine willkommene Einstiegsgelegenheit dar.

Unsere gemeinsame Überlegung dazu: Langfristig steigen Aktien allen Krisen zum Trotz. Erwartet man den DAX deshalb im Jahre 2030 bei 20.000 Punkten – und das dürfte angesichts des langfristigen Aufwärtstrends an der Börse eher konservativ geschätzt sein – resultiert daraus bei einem Einstiegsniveau von fast 14.000 DAX-Punkten, wie wir es noch im Februar hatten, ein Renditepotenzial von rund 45% in den kommenden 10 Jahren bzw. rund 3,9% pro Jahr. Nicht sonderlich üppig. Dank des jüngsten Corona-Crashs sieht die Situation allerdings deutlich attraktiver aus: Bei einem Einstiegsniveau von 10.000 DAX-Punkten ergibt sich bis zum Kursziel bei 20.000 Punkten im Jahr 2030 eine glatte Verdopplung des Vermögens bzw. ein Renditepotenzial von 7,2% pro Jahr. In Nullzins-Zeiten ein mehr als attraktiver Ertrag.

dax 40

Krise: Katastrophe oder produktiver Zustand ?

Doch müsste man das Kursziel von 20.000 DAX-Punkten im Jahr 2030 angesichts der aktuellen Corona-Krise nicht eigentlich nach unten anpassen? Ich denke nicht. Schließlich hat die Börse in den letzten 120 Jahren schon zwei Weltkriege, Hyper-Inflationen, Weltwirtschaftskrisen, Währungsreformen und mit der Spanischen Grippe die Mutter aller Pandemien überstanden. Von ihrem langfristigen Aufwärtstrend haben sich Dow Jones und DAX trotz allem nicht abbringen lassen.

Ganz im Gegenteil: Langfristig haben Krisen sogar oft einen positiven Einfluss auf die Börse. So folgte nach dem Zweiten Weltkrieg eine 20 Jahre andauernde Blütezeit, in der sich der Dow Jones mehr als verzehnfachte. Oder denken Sie an die Finanzkrise 2009: In den 10 Jahren danach wuchs die Weltwirtschaft konstant und die Börsenkurse verdreifachten sich nahezu – und das mitten im Nullzins-Umfeld.

Dass die Aktienkurse in der Krise einbrechen, sich danach jedoch regelmäßig zu einer jahrelangen Hausse aufschwingen, liegt daran, dass die Börse kurzfristig vor allem von der Stimmung der Anleger abhängt – und die ist in Krisenzeiten naturgemäß schlecht. Langfristig hingegen folgen die globalen Börsenkurse der Weltwirtschaft. Und die befindet sich allen zwischenzeitlichen Krisen und Stimmungstiefs zum Trotz langfristig auf Wachstumskurs.

Zwar wird sich die Corona-Krise in diesem Jahr zweifelsfrei als Konjunktur-Killer erweisen. Vermutlich wird die Weltwirtschaft sogar schrumpfen. Das ist ein so seltenes Ereignis, dass es in den letzten 50 Jahren erst einmal vorgekommen ist: in der Finanzkrise 2009. Danach ging es jedoch bekanntlich 10 Jahre aufwärts. Auch die Corona-Krise könnte sich für die Weltwirtschaft – und damit für die Aktienmärkte – langfristig sogar als Wachstumstreiber erweisen. Und das gleich in zweifacher Hinsicht:

Erstens: Als Treiber für Produktivität…

…den wichtigsten Faktor für das langfristige Wirtschafts- und Börsenwachstum. So lernen beispielsweise aktuell viele Konsumenten wegen geschlossener Geschäfte notgedrungen, dass Online-Shopping nicht nur bequemer ist als das Gedränge in überfüllten Fußgängerzonen. Es bietet auch deutlich bessere Produkt- und Preis-Vergleichsmöglichkeiten als beim zeitaufwändigen Abklappern einzelner Ladengeschäfte. An Schulen und Universitäten erlebt grade das digitale Lernen einen ungeahnten Schub. Und auch die Geschäftswelt lernt derzeit dazu: Beispielsweise, um wieviel zeit- und kostensparender das Abhalten von Video-Konferenzen ist, verglichen mit teuren und zeitaufwändigen Geschäftsreisen. Diese und viele weitere in der Krise neu erlernte Verhaltensweisen beschleunigen den Digitalisierungs-Boom und schaffen so einen noch weit über die Krise hinaus wirkenden Produktivitäts-Sprung .

Und zweitens: Durch das Anfeuern der Inflation

Weltweit überbieten sich Regierungen und Notenbanken derzeit mit der Auflage milliardenschwerer Konjunktur- und Rettungsprogramme. Eine derartige Geldschwemme wird mittelfristig die Inflation befeuern. Dabei muss es gar nicht zu einer Hyperinflation kommen. Schon ein Anstieg der Inflation um 1 oder 2 Prozentpunkte lässt die Aktienkurse langfristig entsprechend schneller steigen. Schließlich bedeutet 2% mehr Inflation, dass Unternehmen ihre Preise im Schnitt Jahr für Jahr um diesen Prozentsatz stärker erhöhen können. Damit steigen dann auch die Firmengewinne und in der Folge die Aktienkurse entsprechend schneller.

TIPP

Warum Produktivität und Inflation die beiden wichtigsten Faktoren für die langfristige Börsenentwicklung sind und welches der dritte Faktor ist, haben wir in unserem Artikel „Warum steigen Aktien?“ ausführlich erläutert.

Bei allen kurzfristigen Problemen, die Krisen mit sich bringen: Langfristig wirken sie oft sogar wachstumsfördernd, da Gesellschaft und Wirtschaft zu Anpassungen gezwungen sind, die ohne Krise viel länger gedauert hätten. Schon der Schweizer Schriftsteller Max Frisch formulierte es darum so: „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Fazit:

Ob man als Anleger die stark gefallenen Aktienkurse zum Einstieg nutzen sollte, hängt vom eigenen Anlagehorizont ab. Wer sein Geld in wenigen Monaten benötigt, sollte sich des stark erhöhten Kursrisikos aufgrund der Corona-Krise bewusst sein. Zwar lässt sich nach den Kursverlusten bei einer Erholungsrally auch in kurzer Zeit viel Geld verdienen. Das ist jedoch hoch spekulativ. Genauso gut kann es nämlich an der Börse kurzfristig auch nochmal zu temporären Rückschlägen kommen. Wer sein Geld ausgerechnet dann benötigt, muss einen Verlust realisieren. Als Langfristanleger braucht man sich um die kurzfristige Entwicklung hingegen keine Gedanken machen. Vielmehr bieten die bereits stark gefallenen Kurse langfristig erheblich verbesserte Renditeaussichten. Allein seit Februar hat sich die zu erwartende Rendite durch den Corona-Crash auf Sicht der kommenden 10 Jahre nahezu verdoppelt – siehe unsere Beispielrechnung und den Chart oben. Für langfristig orientierte Anleger gilt daher das alte Kaufmanns-Motto: Der Gewinn liegt im Einkauf. Wer genug Geld und Zeit hat, für den heißt es darum: Jetzt einsteigen !


Mit besten Grüßen


Ihr


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