Itzehoer Aktien Club

Itzehoer Aktien Club

Börsenglocke zum Ausstieg? 31.03.2025

Boersenglocke Wall-StreetEs ist wohl der Traum eines jeden begeisterten Börsianers: Einmal im Leben die Eröffnungsglocke an der New York Stock Exchange läuten. Und so den Startschuss geben für das quirlige Treiben der Börsenhändler auf dem Parkett der größten Börse der Welt. Für die meisten dürfte das ein Traum bleiben. Auf das glänzende Wall Street-Parkett kommt man nämlich nicht einfach so. Umso überraschter war ich kürzlich, von der Handelsblatt Media Group das Angebot zu einer Reise an die New Yorker Börse zu erhalten - samt Interview vor Ort und Börsenglocke.

Wie kommt man als Geschäftsführer eines kleinen Aktienclubs aus Itzehoe zu solch einer Ehre?Nun,ganz so klein ist der Itzehoer Aktien Club (IAC) bekanntlich gar nicht mehr. Mit mittlerweile über 10.000 Investoren gilt der IAC seit Jahren als größter Aktienclub Deutschlands und wächst beständig weiter. Aktueller Anlass für die Einladung ist allerdings eine Auszeichnung der WirtschaftsWoche: Im Rahmen einer breiten Analyse über 1.760 Fonds und 520 Vermögensverwalter kam Deutschlands führendes Wirtschaftsmagazin zu dem Ergebnis, dass der IAC bzw. die geschäftsführende TOP Vermögensverwaltung AG zu den besten Vermögensverwaltern Deutschlands zählt. Unsere Freude darüber ist um so größer, weil wir im IAC im letzten Jahr durchaus mit Gegenwind zu kämpfen hatten.

Zur Erinnerung: An der Börse herrschte 2024 die KI-Euphorie. Dabei konzentrierten sich Anleger lange Zeit auf die wenigen vermeintlichen KI-Gewinner rund um Microsoft, Apple, Meta sowie allen voran Nvidia. Während die Kurse dieser auch „Magnificent Seven“ genannten Aktien von euphorisierten Anlegern durch die Decke getrieben wurden, blieben viele andere Titel unbeachtet und kamen entsprechend kaum von der Stelle. Die Euphorie um die wenigen und zudem ausschließlich amerikanischen KI- bzw. Big-Tech-Aktien gipfelte Ende 2024 befeuert durch die erneute Trump-Wahl in einer allgemeinen US-Börsen-Euphorie. Eine derart spitze Börsenentwicklung, in der nur wenige Titel aus einer Branche und einem Land die gesamte Börse regieren, ist für breit streuende Anleger wie uns im IAC eine Herausforderung.

WiWo AuszeichnungZwar hatte Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Markowitz in seinem bereits 1952 erschienen Werk zur Portfolio-Selektion bewiesen, dass eine breite Streuung die wichtigste Erfolgsregel bei der Geldanlage ist. Auch dürften die meisten Anleger die daraus abgeleitete Börsenweisheit kennen, wonach man niemals alle Eier in einen Korb legen sollte. Wenn aber Euphorie und Gier unter Börsianern erst einmal um sich greifen, dringen derartige Argumente und Risikohinweise nicht mehr durch.

Doch während folglich 2024 an der Börse noch galt „die Flut hebt alle Boote“ - man also einfach nur dabei sein musste, um Geld zu verdienen - gilt 2025 ein ganz anderes Börsenmotto, nämlich: „Bei Ebbe zeigt sich, wer nackt gebadet hat“. Und da stehen insbesondere diejenigen, die alles auf den KI-Trend gesetzt haben mit Verlusten von im Schnitt rund -25% bei den großen US-Tech-Aktien derzeit ziemlich entblößt da. Die zuvor hochgejubelte Tesla-Aktie von Trump-Berater Elon Musk hat sich zuletzt gar annähernd halbiert. Doch nicht nur die Euphorie um KI ist mittlerweile abgekühlt, auch der allgemeine Optimismus für die US-Börse ist angesichts steigender Unsicherheiten durch Trumps Zoll- und Handelskrieg am Bröckeln und droht gar ins Gegenteil umzuschlagen.

Einmal mehr zeigt sich damit: Wer sich beim Investieren von Euphorie und Gier leiten lässt, lebt gefährlich. Die Börsenglocke läutet zwar jeden Morgen zur Eröffnung des Parketts, nicht aber zum rechtzeitigen Ausstieg aus heiß gelaufenen Börsentrends.


Mit besten Grüßen


Ihr


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