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MMT - Geld für alle ! 30.09.2020

"Geld haben ist besser, als kein Geld haben, allein schon aus finanziellen Gründen“. Dieser Logik des legendären US-Komikers Woody Allen lässt sich wenig entgegensetzen. Doch dummerweise ist Geld ein begrenztes Gut. Oder etwa nicht? Über genau diese Frage ist unter Ökonomen weltweit heftiger Streit entbrannt. Das Stichwort lautet „MMT“ und steht für „Modern Monetary Theory“.

Die Vertreter dieser „modernen Geldtheorie“ sind der Ansicht, dass Geld zumindest für Vater Staat kein begrenztes Gut ist. Als direkter oder indirekter Herrscher über die Notenpresse könne der Staat so viel Geld drucken und ausgeben, wie er will. In den Ohren von Politikern klingt das wie Musik. Allemal in Zeiten der Corona-Krise, wo Geld angesichts des weltweit größten Konjunktureinbruchs seit dem Zweiten Weltkrieg an allen Ecken und Enden fehlt. Kurzarbeit, Konjunkturpakete und Unternehmensrettungen kosten den Staat Milliarden während gleichzeitig die Steuereinnahmen wegbrechen.

Da trifft es sich gut, wenn Ökonomen jetzt mit der neuen Geldtheorie um die Ecke kommen und Politikern erklären, dass ihre finanziellen Mittel und Möglichkeiten quasi unbegrenzt sind. Weitergedacht, ergeben sich damit auch ganz neue Möglichkeiten für Wahlkampfversprechen: Rente mit 55, Grundeinkommen für alle und für den Klimaschutz ein Gratis-Elektro-Auto für jeden wären ein Wahlprogramm, das dem gesamten Wählerspektrum schmecken würde. Und zur Finanzierung des Ganzen braucht es laut MMT nicht einmal Steuererhöhungen, sondern lediglich den Griff zur Notenpresse. Sparsamkeit im Sinne der schwäbischen Hausfrau hätte ausgedient. Soweit die neue Geldtheorie.

Klassischen Ökonomen lässt das die Nackenhaare zu Berge stehen. Sie argumentieren, dass Geld ein begrenztes Gut bleiben muss, weil es sonst seinen Wert verliert. Schließlich ergibt sich der Wohlstand einer Gesellschaft nicht aus der Menge des Geldes, sondern aus der Menge der produzierten und zur Verfügung stehenden Güter und Dienstleistungen. Geld ist nur ein Tauschmittel und Wertmaßstab. Als solcher verliert es an Wert, wenn es im Übermaß vom Staat produziert und unters Volk gebracht wird. Hinzu kommt: Das Drucken von Geld mit der Notenpresse und dessen Ausgabe durch den Staat führt zu einer zunehmenden Staatswirtschaft. Und die hat sich in der Geschichte noch immer als Wohlstands-Killer erwiesen, da der Staat nun einmal mit Geld nicht sonderlich gut umgehen kann.

Insofern, so die klassischen Ökonomen, sei die „Modern Monetary Theory“ auch alles andere als modern, sondern lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Versuche zur Staatsfinanzierung mit der Notenpresse hat es schon oft gegeben, stets mit negativen Folgen. Denn Gelddrucken schafft keinen Wohlstand, sondern vernichtet ihn am Ende durch die Entwertung des Geldes. Die Politik greift derzeit dennoch kräftig zur Notenpresse und hat angesichts der Schärfe der Krise vielleicht auch gar keine andere Möglichkeit: Millionen Arbeitslose, hunderttausende Firmeninsolvenzen sowie Bank- und Staatspleiten in Südeuropa samt Auseinanderbrechen des Euros sind eben auch keine Alternative.

Für Anleger ist die Sache damit jedoch klar: Wer sein Geld nicht in Sachwerten, allen voran Qualitätsaktien, investiert, wird in den kommenden Jahren zu den Verlierern der Geldpolitik gehören. Auch zukünftig führt der Weg zu finanziellem Wohlstand nicht über frisch gedrucktes Geld für alle, sondern über Fleiß, Sparsamkeit und das Wissen, wie man sein Geld erfolgreich investiert.


Mit besten Grüßen


Ihr


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