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Reich und schwach? 28.07.2025

reich und schwachDie Kombination aus reich und schwach ist weder komfortabel noch nachhaltig. Warren Buffett verdeutlicht das bezogen auf die Wirtschaft mit seinem Bild vom Burggraben: Ein Unternehmen, das gutes Geld verdient, wird seinen Erfolg demnach nur dann dauerhaft sichern können, wenn es über einen breiten Burggraben verfügt. Schließlich weckt Erfolg Begehrlichkeiten und lockt die Konkurrenz. Ein Burggraben kann für Firmen in verschiedenen Formen daherkommen: Für eine Pharmafirma wie Novartis können dies bspw. seine Patente sein, die es vor billigen Nachahmerprodukten schützen. Für ein Konsumunternehmen wie Coca-Cola kann es eine starke Marke sein, die ihm Mitbewerber vom Hals hält. Und für ein Technologieunternehmen kann es sein technologischer Vorsprung sein, wie aktuell bei Nvidia, ohne dessen KI-Chips weltweit kaum ein neues KI-Rechenzentrum gebaut werden kann.

Doch die Regel, dass reich und schwach eine nicht sonderlich gute Kombination ist, beschränkt sich nicht nur auf die Wirtschaft. Auch unter Nationen weckt der Erfolg bzw. Reichtum des Einen Begehrlichkeiten beim Nachbarn. Das liegt nun einmal in der Natur des Menschen. Dummerweise hat Europa genau diese „reich und schwach“-Position inne. Und das in einer Welt, die nach Jahrzehnten außergewöhnlicher Sicherheit durch institutionalisierte Ordnung zunehmend in Unordnung gerät. Und in der das alte Regime der Macht des Stärkeren nun wieder auf dem Vormarsch ist.

Ergebnis: Von allen Seiten entsteht derzeit Druck auf den Wohlstand der Europäer. Russland fordert Europa in der Ukraine militärisch und damit finanziell heraus. China greift unseren Wohlstand nicht erst seit gestern, zuletzt jedoch zunehmend erfolgreicher durch unfaire Handelspraktiken an. Und selbst unser bisher politisch Verbündeter, die USA, spielt seine Macht durch knallharte Zoll-Politik aus. Trumps Ziel im Zoll-Streit: Für sich selbst bzw. die USA einen wirtschaftlichen Vorteil herausschlagen, auf Kosten der reichen Europäer versteht sich. Dass die EU angesichts des Macht-Ungleichgewichtes im Zoll-Streit mit den USA den Kürzeren gezogen hat, dürfte kaum verwundern. Wie glaubhaft konnte die EU schließlich angesichts ihrer Abhängigkeit vom militärischen Schutz der USA mit diesen verhandeln? Im Sinne von Buffett wäre die EU also ganz sicher kein sonderlich gutes Investment. Es fehlt ihr Schlicht an einem breiten Burggraben zum Schutz vor den Begehrlichkeiten der Konkurrenz.

Die Schwäche Europas beschränkt sich dabei nicht nur auf seine mangelnde militärische Stärke. Auch die digitale Abhängigkeit ist mittlerweile gravierend: Gerade erst hat der französiche Chef-Justiziar von Microsoft in einer Anhörung eingestanden, dass Microsoft den Schutz europäischer Daten vor Zugriff durch die US-Regierung keinesfalls garantieren könne. Da ohne cloudbasierte IT schon heute kaum noch etwas geht, die Cloud aber weitgehend in der Hand einiger weniger US-Big-Techs rund um Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon & Co. liegt - und damit in Händen der US-Regierung - steht Europa auch hier ziemlich schwach dar.

Es sollte darum niemanden verwundern, wenn sich der seit Jahren andauernde wirtschaftliche Niedergang der EU im Kräftemessen mit China, den USA und anderen fortsetzt und zu einer weiteren Erosion des Wohlstands in Europa führt. Umso wichtiger ist es vor diesem Hintergrund für Anleger, sich und ihr Vermögen zu schützen: Durch umsichtige Investition in weltweit erfolgreiche Unternehmen, die dank breiter Burggräben stark genug sind, ihre Position auch in Zukunft zu verteidigen.


Mit besten Grüßen


Ihr


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