Börsenticket zum Mars? 29.05.2026
Elon Musk macht mal wieder Schlagzeilen: Nachdem er die Automobilindustrie revolutioniert und dem Elektroantrieb zum Durchbruch verholfen hat, plant er nun die Eroberung des Weltalls – inklusive einer Kolonie auf dem Mars. Schließlich solle die Menschheit nicht dasselbe Schicksal erleiden wie die Dinosaurier. Da sich ein derart ambitioniertes Projekt selbst vom reichsten Mann der Welt nicht allein finanzieren lässt, plant Musk den Börsengang seiner Weltraumfirma SpaceX. Da trifft es sich gut, dass derzeit scheinbar auch an der Börse gilt: „the sky is NOT the limit“.
Der Dow Jones knackte jüngst, beflügelt von neuer KI-Euphorie, die Marke von 50.000 Punkten. Dieses Umfeld aus hohen Börsenkursen und geringer Risikoaversion kommt Elon Musk gelegen: Wann, wenn nicht jetzt, ließe sich maximal viel Geld einsammeln - für ein Unternehmen, das Milliardenverluste macht und bei dem die Antwort auf die Frage, ob es jemals Gewinne im Weltraum erzielen wird, im wahrsten Sinne des Wortes in den Sternen steht?
Anleger, die über eine Beteiligung am Börsengang von SpaceX nachdenken, sollten bedenken: Die langfristige Erfolgsbilanz von Neuemissionen ist mau. Kein Wunder, schließlich haben Unternehmer naturgemäß ein Interesse daran, ihre Firma beim Börsengang möglichst teuer zu verkaufen. Und da Gründer wie Elon Musk ihr Unternehmen deutlich besser kennen als Anleger, die oft vor allem die große Zukunfts-Story kaufen, ist klar, wer bei solchen Deals in der Regel auf der Gewinnerseite steht. Kurz: Wenn Musk den Zeitpunkt und den Preis für einen Verkauf seiner SpaceX-Anteile aktuell für attraktiv hält, dürfte das für die Anleger, die ihm diesen Preis bezahlen, eher teuer sein.
So zeigt die Geschichte denn auch stets dasselbe Muster: Börsengänge häufen sich in Phasen großer Euphorie, wenn Anleger bereit sind, hohe Preise für Zukunftsfantasien zu bezahlen. Kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase drängten zahllose Internetfirmen an die Börse, die letztlich niemals Geld verdienten. Für die Verkäufer war das ein hervorragendes Geschäft. Für die Käufer nicht. Anders sieht es aus, wenn Anleger im normalen Börsenhandel Aktien etablierter Unternehmen wie Coca-Cola, McDonald’s oder Apple erwerben. Dort existieren belastbare Geschäftsmodelle, Gewinnhistorien und langjährige Kursentwicklungen. Vor allem aber steht auf der Verkäuferseite eine breite Masse anderer Marktteilnehmer - und nicht wie beim Börsengang der Firmenbesitzer selbst, und damit ein Insider.
Übrigens scheint nicht nur Elon Musk die aktuelle Börsenlage als günstigen Zeitpunkt für einen Anteilsverkauf zu betrachten. Auch der ChatGPT-Anbieter OpenAI liebäugelt laut Medienberichten mit einem Börsengang noch in diesem Sommer. Während Anleger bei einem möglichen SpaceX-Börsengang auf der Käufer- und damit tendenziell auf der schwächeren Seite des Deals stünden, könnte man bei OpenAI indirekt sogar auf die Gewinnerseite wechseln: über eine Beteiligung an dem auch in unserem IAC-Club-Fonds gehaltenen Qualitätsunternehmen Microsoft. Das wäre nämlich als mit 27 % größter Anteilseigner von OpenAI auch größter Profiteur eines Börsengangs.
Unabhängig davon sollten Anleger in Zeiten großer Börsengänge allerdings eher vorsichtig werden: Wenn Firmeninhaber den Zeitpunkt für milliardenschwere Anteilsverkäufe als besonders attraktiv ansehen, deutet das auf bereits hohe Börsenkurse hin. Und anders als in der Raumfahrt, gilt an der Börse nun einmal nicht „the sky is NOT the limit“, sondern: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.


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