Heißer Börsen-Herbst? 31.08.2026
An der Börse herrscht derzeit eitel Sonnenschein: Dax und Dow Jones erklommen im August neue Rekordstände, die Unternehmensgewinne sprudeln, Künstliche Intelligenz sorgt für Fantasie und von Rezession ist wenig zu sehen. Beste Voraussetzungen also für einen entspannten Börsen-Herbst? Vielleicht. Doch während am Aktienmarkt die Sonne scheint, ziehen am Anleihemarkt erste Wolken auf: Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind zuletzt weltweit kräftig gestiegen. 30-jährige US-Anleihen werfen inzwischen mehr als 5 Prozent ab, so viel wie seit der Finanzkrise Ende der 2000er nicht mehr. Selbst der deutsche Staat muss seinen Gläubigern auf 30-jährige Anleihen mittlerweile fast 4 Prozent Zinsen zahlen – das höchste Niveau seit 2011.
Ein wesentlicher Auslöser der jüngsten Nervosität am Zinsmarkt sind die immer weiter steigenden Staatsschulden. Die USA haben gerade die Marke von 40 Billionen Dollar durchbrochen. Gleichzeitig steigen mit den Zinsen die laufenden Kosten für diese Schulden. Rund 1,2 Billionen Dollar dürfte Washington in diesem Jahr allein an Zinsdienst ausgeben – dreimal so viel wie 2020 und inzwischen mehr als für das Militär. Stehen die USA also unmittelbar vor einer Staatsschuldenkrise? Nicht zwingend. Die Vereinigten Staaten verfügen über eine starke Volkswirtschaft und den größten Kapitalmarkt der Welt. Vor allem aber besitzen sie mit dem Dollar die Weltleitwährung. Das verschafft ihnen finanzielle Spielräume. Eines allerdings können auch die USA nicht: ihre Schulden auf Dauer schneller wachsen lassen als ihre Fähigkeit, diese zu finanzieren. Zumal Washington bei der Suche nach frischem Geld neuerdings Konkurrenz hat: Die großen US-Technologiekonzerne investieren gigantische Summen in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz und finanzieren einen Teil davon ebenfalls über Schulden. Meta beispielsweise lockt Anleger inzwischen mit rund 7 Prozent Zinsen.
Wenn aber Staaten und Unternehmen am Kapitalmarkt gleichzeitig immer größere Summen nachfragen, steigt der Preis des Geldes: der Zins. Und spätestens hier wird aus einem Problem des Anleihemarktes auch eines für Aktienanleger. Denn: Warum noch das Risiko einer Aktie eingehen, wenn mittlerweile auch die US-Regierung 5 Prozent Zinsen bietet und man sein Geld mit einer Meta-Anleihe gar rund alle 10 Jahre verdoppeln kann? Gleichzeitig verteuern höhere Zinsen die Finanzierung für Unternehmen und schmälern so deren Gewinne. Und schließlich lassen höhere Zinsen Unternehmensgewinne, die erst in ferner Zukunft anfallen, aufgrund des Abzinsungseffektes auch noch im Wert sinken.
Ausgerechnet die aktuellen Lieblinge der Börse sind dafür besonders anfällig: Weil viele US-Technologiekonzerne derzeit erhebliche Schulden anhäufen, um ihre gewaltigen KI-Investitionen stemmen zu können. Gleichzeitig werden die Aktien der KI-Konzerne mit hohen Erwartungen an ihre zukünftigen Gewinne bewertet. Steigende Zinsen treffen sie damit gleich doppelt.
Das derzeitige Wohlfühlwetter an den Aktienmärkten sollte deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich am Horizont erste Wolken zusammenbrauen. Ob daraus tatsächlich ein heißer Börsen-Herbst wird, lässt sich leider nicht seriös prognostizieren. Sollten sich die Wolken am Anleihemarkt jedoch zu einem ausgewachsenen Sturm verdichten, wären hoch verschuldete und hoch bewertete Unternehmen besonders anfällig. Ein guter Grund, als Aktionär nicht allein auf die aktuell noch sonnenverwöhnten US-Aktien und Tech-Titel zu setzen, sondern breit über solide Qualitätsunternehmen, Branchen und Regionen zu streuen.


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